Reisebericht Mysore 2008

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Reisebericht Mysore 2008
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Yogapraxis bei Acharya V. Sheshadri in Mysore Juli 2008
(von Constanze Hökelmann, Berlin, Dezember 2008)

„Handstand!“ höre ich Sheshadri sagen, während ich mein ich weiß nicht wievieltes Vinyasa zwischen zwei Asanas ausführe. „Handstand, you!“ ach, ich bin gemeint! Mit letzter Kraft schwinge ich mich zum Ende der Yogastunde in den Handstand, bekomme aber meine Beine nicht mehr so recht in die Luft. Aber das stört Sheshadri nicht. Er schnappt sich meine Knöchel, stellt sich mit dem Rücken an die Rückseiten meiner Oberschenkel und legt meine Kniekehlen auf seinen Schultern ab. Meine Schienbeine als Hebel benutzend, lehnt er sich langsam nach vorn, so dass sich meine Hände vom Boden lösen und ich buchstäblich in der Luft hänge. Meine Wirbelsäule wird dadurch wunderbar in die Länge gezogen und gedehnt. „Put your hands to your head“, so die nächste Anweisung von Sheshadri und ich fange langsam an, erst nach vorn und hinten und dann nach rechts und links zu schaukeln. So hab ich vor 25 Jahren auf dem Spielplatz am Klettergerüst gehangen. Da hat aber mein Rücken noch nicht so geächzt... „Hold my knees!“ und wieder schaukele ich nach vorn und hinten und spüre eine äußerst intensive Dehnung in der Brustwirbelsäule, da die Rückbeuge durch das Festhalten an Sheshadris Beinen nochmal verstärkt wird. „Relax your body, relax, relax!“ Leichter gesagt als getan. Dann geht er auf die Knie, kauert sich zusammen und ich stehe plötzlich in der Brücke. Sheshadri krabbelt unter mir vor: „Paschimottanasana“, sagt er mit einem herzlichen Lachen und funkelnden Augen. Noch leicht verwirrt und etwas zittrig von der Anstrengung, aber stolz und glücklich mache ich als Ausgleich die Vorwärtsbeuge. „Handstand!“ jetzt ist mein Matten-Nachbar dran...
Darf ich vorstellen, das ist V. Sheshadri, Ashtanga-Yoga-Praktizierender und -Lehrer in seinem Element: geniale Adjustments gebend.


Sheshadri und sein Sohn Harish unterrichten in der Yoga Shala Mandala in Mysore Ashtanga Vinyasa Yoga im Mysore Stil. Die Klassen finden sechs Mal pro Woche morgens von sechs bis acht und abends von fünf bis sieben Uhr statt. Unterrichtsfrei sind die Samstage sowie die Voll- und Neumondtage. Du kannst einzelne Termine (Drop In), eine Woche oder einen ganzen Monat bezahlen. Ein Drop In kostet 400 Rupie, das entspricht ca. 6,50 EUR. Ein Monat kostet 7.500 Rupie, ca. 120 EUR. Dafür kannst Du sechs Mal pro Woche bei Sheshadri praktizieren. Wenn Du viel Kraft und einen langen Atem hast, sogar zwei Mal pro Tag. In dem mit Bastmatten ausgelegten Übungsraum gibt es Platz für ca. 16 Personen. Wenn es voll wird, öffnet Sheshadri noch einen Nebenraum. Jeder muss seine private Matte mitbringen. Die Teilnehmer sind überwiegend Ausländer aus der ganzen Welt, aber auch Einheimische. Wir haben z. B. gemeinsam mit Franzosen, Österreichern, Israelis, US-Amerikanern, Deutschen und Indern praktiziert. Atemübungen (Prana Yama) werden von Sheshadri in einem extra Kurs (60 Minuten) vor der Abendpraxis angeboten und sind nicht in die Yogastunde integriert.
Sheshadri war Schüler und später Assistent von B. N. S. Iyengar, nicht zu verwechseln mit B. K. S. Iyengar, der das Iyengar Yoga entwickelt hat. B. N. S. wie auch B. K. S. Iyengar waren Schüler von T. Krishnamacharya, der von 1888 bis 1989 lebte und durch seine eigene Lehrtätigkeit sowie durch seine vielen bedeutenden indischen und auch westlichen Schüler den modernen Hatha Yoga maßgeblich inspiriert und geprägt hat. Sheshadri ist von seiner Familientradition her Farmer und bewirtschaftet auch derzeit noch gemeinsam mit seinen Brüdern Land in der Nähe von Mysore. Er hat erst im Alter von 40 Jahren mit Ashtanga Yoga begonnen und lernte acht Jahre bei B.N.S. Iyengar. Mittlerweile Mitte 50, praktiziert er regelmäßig auf hohem Niveau und ist sehr stolz auf seine zahlreichen Preise, die er bei lokalen, nationalen und internationalen Yoga-Asana-Turnieren gewonnen hat. Da Sheshadris Bekanntheitsgrad wächst, gibt er auch internationale Workshops. Er ist mit seinem Sohn Harish im Januar in Wien und auch in Köln.

 



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